„Das Seil ist für mich das Herz des Krans“

Ein Team um Dr. Ilaka Mupende hat ein neuartiges Kunstfaserseil für den Hubbetrieb entwickelt

Eine Innovation, die für Aufsehen sorgen wird

Liebherr entwickelt mit dem Seilhersteller Teufelberger ein neuartiges Hochfestfaserseil für den Kranbetrieb, das das Stahlseil bei verschiedenen Anwendungen ablösen soll. Im Technologiepavillon der Liebherr-Werk Nenzing GmbH sowie in einigen Exponaten auf der Bauma wird es erstmals vorgestellt.

Ein wahrhaft extremer Ort

Die neue Klimakammer bei Liebherr im süddeutschen Biberach an der Riss: Bis zu 80 Grad heiß und bis zu minus fünf Grad kalt kann es hier werden. Einmal werden Sand oder Staub durch die Luft gewirbelt, um die Baustellenbedingungen in der Wüste zu simulieren. Im nächsten Moment regnet es monsunartig.

Testgelände

Hier testet ein Team um Dr. Ilaka Mupende, Leiter Forschung & Versuch bei der Liebherr-Components Biberach GmbH, das hochfeste Kunstfaserseil für den Kranbetrieb. „Das Seil ist extrem leicht, sehr robust, so tragfähig wie ein Stahlseil und weist ein hervorragendes Wickelverhalten auf. Trotz der geringen Vorspannung in den unteren Lagen nutzt es sich bei mehrlagig bewickelter Trommel kaum ab.“

Auf Herz und Nieren

Die Innovation wird unter klimatischen Extrembedingungen ebenso getestet wie unter verschiedenen Belastungs-konstellationen. Gemeinsam mit seinem Team prüft Ilaka Mupende jeden Prototyp des Seils mindestens drei Monate lang auf verschiedenen Einrichtungen auf Herz und Nieren.

Ein entscheidendes Detail

Zwar ist das Seil nur ein Teil der Gesamtkonstruktion Kran, doch für Ilaka Mupende die entscheidende. „Ein hoher Turm und langer Ausleger sind bei einem Kran sicherlich spektakulärer anzusehen. Aber ohne das Seil kann die gesamte Konstruktion nicht funktionieren. Was das Herz für den Menschen ist, das ist aus meiner Sicht das Seil für den Kran."

Um bis zu 80 Prozent leichter als ein übliches Stahlseil

„Somit spielt das Seilgewicht im Einsatz fast keine Rolle mehr“, sagt der promovierte Maschinenbauingenieur. Und auch die Lebensdauer des Seils erhöht sich enorm. „Beim von uns entwickelten Faserseil ist die Einsatzzeit um das Zehnfache höher als beim Stahlseil. Der Kunden muss das Seil nicht so oft wechseln, was die Verfügbarkeit des Krans enorm erhöht.“

Optimales Wicklungsverhalten

Besonderes Augenmerk wird bei der Faserseilentwicklung auch auf ein optimales Wicklungsverhalten auf der Seiltrommel und auf die rechtzeitige Erkennung der Ablegereife gelegt. „Darunter verstehen wir den Zeitpunkt, an dem das Seil so stark abgenutzt ist, dass es gewechselt werden muss. Beim neuen Kunstfaserseil wird dieser Zeitpunkt optisch durch den Verschleißgrad des Seilmantels erkannt“, sagt Ilaka Mupende.

Bis zur Marktreife

Bis das hochfeste Faserseil die Marktreife erlangt, wird er mit seinem Team intensiv weiter forschen. Im Fokus steht dabei besonders die Erkennung der Ablegereife. „Unser Ziel wird es sein, das Seil in den kommenden Jahren in diesem Bereich für verschiedene Einsatzbedingungen anzupassen und zu optimieren.“